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1. Begriffsdefinitionen

Der schwedische Arzt Magnus Huss definierte im Jahr 1849 als Erster den Alkoholismus als Krankheit. Er unterschied dabei zwischen der „acuten Alkoholskrankheit oder Vergiftung“ und dem „Alcoholismus chronicus“. Allerdings setzte sich diese Erkenntnis lange nicht durch. Erst Elvin Morton Jellinek, der zeitweise für die WHO arbeitete, setzte sich 1951 mit seiner, durch die Arbeit mit den Anonymen Alkoholikern inspirierten Ansicht, weltweit durch, dass Alkoholismus eine Krankheit ist. [1]

 

Im Zusammenhang mit der Alkoholproblematik unterscheidet man im Wesentlichen zwischen zwei Begriffen:

 

 

 

  1. a.    Definition des problematischen Alkoholkonsums

Der Begriff „problematischer Alkoholkonsum“ bezeichnet einen Alkoholkonsum mit nachweislich schädlicher Wirkung (körperlich oder psychisch), ohne dass eine Alkoholkrankheit vorliegt.

Neben dem übermäßigen, schädigenden Konsum der Substanz Alkohol bezieht sich der Terminus „problematischer Konsum“ auch auf die Art und Weise der Alkoholeinnahme („Wirkungstrinken“) sowie auch auf den Konsum des Alkohols in unpassenden Situationen, wie zum Beispiel am Arbeitsplatz oder in Zusammenhang mit dem Straßenverkehr.

 

Dieser problematische Alkoholkonsum (früher auch „Alkoholmissbrauch“ genannt) führt  zu akuten und chronischen Problemen. Frühe Stadien der Alkoholabhängigkeit werden häufig als problematischer Alkoholkonsum bagatellisiert. Späte Stadien des problematischen Konsums werden oft als Frühstadien der Alkoholkrankheit bewertet.

Es ist sehr wichtig, die späten Stadien eines problematischen Alkoholkonsums als frühe Stadien der Alkoholkrankheit zu bewerten, um damit eine Frühdiagnostik der Alkoholkrankheit und damit auch frühe therapeutische Interventionen zu ermöglichen.

 

 

  1. b.   Definition der Alkoholkrankheit

Die Alkoholkrankheit ist eine hochkomplexe psychische Erkrankung.

Der Begriff „Alkoholismus“ ist veraltet, aber immer noch weit verbreitet, und steht für Ansichten, dass es sich bei diesen schweren Abhängigkeiten gar nicht um eine Erkrankung handelt. Daher ist die Bezeichnung „Alkoholismus“ zu vermeiden.

 

Als Alkoholkrankheit wird die Abhängigkeit von der psychotropen Substanz Ethanol bezeichnet. Im Verlauf können sich Beschaffung und Konsum von Alkohol zum lebensbestimmenden Inhalt entwickeln.

 

Typisch sind innerer Zwang zum Konsum, fortschreitender Verlust der Kontrolle über das Trinkverhalten, Vernachlässigung früherer Interessen zugunsten des Trinkens, Entzugserscheinungen bei vermindertem Konsum, Toleranz gegenüber Alkohol („Trinkfestigkeit“) sowie die Zentrierung des Lebens auf die Alkoholeinnahme.

 

 

  1. c.    ICD-10-Definitionen

Der ICD-10 (International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems) definiert die Alkoholkrankheit anhand von sechs Kriterien, von denen mindestens drei in den letzten 12 Monaten gleichzeitig erfüllt werden müssen, um der Diagnose „alkoholkrank“ zu entsprechen:

 

 

 

Den problematischen Alkoholkonsum benennt der ICD-10 als „schädlicher Gebrauch“ und definiert ihn folgendermaßen:

„Ein Konsummuster psychotroper Substanzen, das zu einer Gesundheitsschädigung führt. Diese kann eine körperliche Störung oder eine psychische Störung, zum Beispiel eine depressive Episode nach massivem Alkoholkonsum, sein.“

 

  1. d.   Typologie

Die unter Experten über viele Jahre gebräuchlichste Klassifikation der Alkoholproblematik geht auf Elvin Morton Jellinek zurück und stammt aus dem Jahr 1960. Jellinek unterteilte Personen mit Alkoholproblemen nach 5 Kategorien von Alpha bis Epsilon. Die Trinkformen des Alpha- und Beta-Typus bezeichnete er als Vorstufen der Alkoholkrankheit, Gamma-, Delta- und Epsilon-Trinker bezeichnete er als alkoholkrank.[2]

 

Für diesen Typus sind auch die Bezeichnungen “Problemtrinker”, “Erleichterungstrinker” und “Konflikttrinker” gebräuchlich. Er ist von der Alkoholwirkung in dem Sinne psychisch abhängig, dass er Alkohol verwendet, um körperliche oder seelische Belastungen leichter zu ertragen.

Wesentliche Merkmale: Das Trinken ist zwar undiszipliniert, aber die Fähigkeit zur Abstinenz ist vorhanden.
 Es kommt zu keinem Kontrollverlust beim Trinken, und
 es gibt keine Anzeichen einer körperlichen Abhängigkeit. Alpha-Typen können im Allgemeinen jederzeit mit dem Trinken aufhören.

 

Beim Beta-Typ handelt es sich um Gelegenheitstrinker,
 die weder psychisch noch körperlich abhängig sind. Gefährdet sind Beta-Trinker durch die vorherrschenden Trinksitten, sie trinken vorwiegend aus sozialen Gründen (zum Beispiel Feier, Verführung durch Kollegen) und geraten nicht selten in einen regelmäßigen Missbrauch aus Gewohnheit. Ernste gesundheitliche Folgen des Alkoholkonsums wie Polyneuropathie, Gastritis, Leberzirrhose etc. zeichnen sich hier bereits ab.

 

Für diesen Typus sind auch die Bezeichnungen “süchtiger Trinker” oder “Rauschtrinker” gebräuchlich, da Gamma-Trinker im Tagesverlauf unregelmäßig trinken und sich Phasen der starken Berauschung mit relativ unauffälligen Phasen abwechseln.
 Gamma-Trinker zeichnen sich durch eine erhöhte Alkoholtoleranz aus,
 die psychische Abhängigkeit ist stärker ausgeprägt als die ebenfalls vorhandene körperliche.
 Typisch für diesen Typus ist, dass er im Verlauf eines Trinkaktes nicht mehr aufhören kann zu trinken, obwohl er selbst das Gefühl hat, bereits genug zu haben (“Kontrollverlust”).
 Er kann phasenweise abstinent bleiben, es kommt beim Trinken allerdings zum Kontrollverlust. Die kleinste Alkoholmenge kann sofort unstillbares Verlangen auslösen (z.B. Alkohol in Suppe, alkoholhältige Bonbons).

 

Für diesen Trinktyp sind auch die Bezeichnungen “Spiegeltrinker” oder “Gewohnheitstrinker” gebräuchlich. Die Vertreter dieses Typus müssen täglich und regelmäßig trinken und zeigen keine Rauschsymptome.

Delta-Trinker zeichnen sich durch eine erhöhte Alkoholtoleranz aus. Die körperliche Abhängigkeit ist stärker ausgeprägt als die ebenfalls vorhandene psychische Abhängigkeit. Es kommt beim Trinken zwar nicht zum Kontrollverlust, aber Delta-Trinker können sich des Alkoholkonsums nicht enthalten (“Unfähigkeit zur Abstinenz”), da sie sonst unter Entzugserscheinungen zu leiden hätten.

 

Epsilon-Trinker leben oft monatelang abstinent, um dann in unregelmäßigen Abständen durchbruchsartig kurze Phasen exzessiven Alkoholkonsums zu erleben (meist zu sozialen Anlässen). Für diesen Trinktyp ist auch die Bezeichnung “Quartalsäufer” gebräuchlich. Beim Epsilon-Trinker ist die psychische Abhängigkeit wesentlich stärker ausgeprägt als die körperliche.
Typisch in den Trinkphasen sind “Kontrollverluste”, es besteht aber die Fähigkeit zur Abstinenz.

Es kann sich hier auch um immer wiederkehrende Depressionen handeln.

 

Seiner Typologie entsprechend, klassifizierte Jellinek Gamma-, Delta- und Epsilon-TrinkerInnen als „alkoholkrank“. Die Einordnungen in Alpha- und Beta-TrinkerInnen bezeichnete er als „Vorstufen der Alkoholkrankheit“.

 

Eine andere Typologisierung der Alkoholkranken stammt von Prof. Otto Lesch.

Die Typologie von Lesch versucht, auf Ursachen, Verlauf und prognostische Aspekte Bezug zu nehmen und daraus Schlussfolgerungen für die praktische Behandlung von Alkoholkranken abzuleiten. [3]

 

 

 

 



[1] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Alkoholkrankheit

[2] Zitiert nach http://www.api.or.at/sp/texte/002/defjell.htm

[3] vgl. http://www.api.or.at/sp/texte/002/typlesch.htm


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