logobanner

Empfehlungen

Expertenmeeting vom 13.12.2012

Erarbeitet von: Dr. Barbara Degn, Mag. Beate Hartinger, Ass.Prof. Andreas Klein, Univ.-Prof. Dr. Sepp Leodolter, Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, , Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik, Mag. Wolfgang Maierhofer, Prim. Dr. Georg Psota

 

Die Empfehlungen werden unterstützt von: Dr. Martin Gleitsmann, Univ.-Prof. Dr. Thomas Szekeres, Dr. Johannes Steinhart, Univ.-Prof. Dr. Markus Hengstschläger, Univ.-Prof. Dr. Markus Müller, Prim. Univ.-Prof. Christian Haring, Univ.-Prof. Dr. Bernhard Schwarz

 

1,2 Millionen Österreicher sind alkoholgefährdet, 340.000 sind alkoholkrank und 8.000 sterben jährlich an den Folgen ihres exzessiven Alkoholkonsums.

Der wichtigste Faktor bei der Behandlung eines Alkoholproblems ist der Zeitpunkt der Erst-Intervention. D.h. je früher auf ein bestehendes Alkoholproblem reagiert wird, umso eher ist ein schwerer Krankheitsverlauf abzuwenden.

 

AOS empfiehlt daher folgende Maßnahmen zur Verbesserung der medizinischen Versorgung umgehend zu setzen:

 

  1. Allgemeinmediziner verstärkt als erste Anlaufstelle bei problematischen Alkoholkonsum positionieren
  2. Erarbeitung eines für die Allgemeinpraxis tauglichen Instrumentariums zur Früherkennung und Frühintervention
  3. Aufbau eines kontinuierlichen Schulungsprogramms für Allgemeinmediziner und eine verpflichtende/empfohlene Anzahl an DFP Punkten für die Früherkennung und Therapie von Alkoholkrankheit
  4. Verbesserung der Alkoholanamnese im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung und vor allem Ausweitung auf Personen, die das Vorsorgeuntersuchungs-angebot nicht nutzen
  5. Schaffung einer adäquaten Abrechnungsposition für Früherkennung und Frühintervention sowie für die kontinuierliche Betreuung für Allgemeinmediziner
  6. Entwicklung von Patientenbetreuungsprogrammen zur Optimierung der Früherkennung und Förderung der Nachhaltigkeit der Intervention z.B. Online Gruppen, App´s, …
  7. Finanzierung der verfügbaren therapeutischen Optionen
  8. Finanzierung durch eine zweckgebundene Verwendung der Alkoholsteuern

Folgende Basismaßnahmen sollten gesetzt werden:

 

  1. Von Wirkung zum Genuss. Entwicklung von Programmen zum kultivierten Umgang mit Alkohol und strikte Abgrenzung zum „Wirkungstrinken“.
  2. Definition von klaren Gesundheitszielen zur Verbesserung der Prävention, der Früherkennung, Frühintervention und Therapie von Alkoholkrankheiten im Rahmen des nächsten Regierungsprogrammes.
  3. Explizite Aufnahme von Alkohol- und Tabakmissbrauchsprogrammen in die Rahmen-Gesundheitsziele des FGÖ und damit Erleichterung der Finanzierung von Präventionsprogrammen.
  4. Zielgruppenspezifische Aufklärungskampagnen zum vernünftigen Umgang mit Alkohol. Finanziert durch eine zweckgebundene Widmung der auf Alkoholwerbung entfallenden Werbeabgabe. D.h. 5% aller Werbeausgaben für Alkohol wird Kommunikationsmaßnahmen und Projekten gewidmet.
  5. Steuerliche Begünstigung von Alkoholpräventionsprogrammen in Betrieben.
  6. Förderung von Selbsthilfeinstitutionen wie Anonyme Alkoholiker, ..

Alkoholkonsum bei Jugendlichen stellt europaweit ein signifikantes Problem dar. Es zeigt sich aufgrund der immer früher eintretenden Pubertät das Phänomen, dass sich das Einstiegsalter kontinuierlich nach vorne verlagert und heute bereits bei 11 bis 13 Jahren liegt. So geben z.B. bereits 2/3 der 14 jährigen an, bereits einen Vollrausch erlebt zu haben.

 

Folgende Empfehlungen für Jugendliche werden daher ausgesprochen:

 

  1. Ausbildungsprogramme für Schulärzte und aktive Einbindung als Anlauf und Beratungsstellen bei Alkoholproblemen
  2. Finanzierung von psychologisch geschultem Personal für Vortragstätigkeit in Schulen; landesweite „Roadshows“
  3. Aufnahme von Alkoholmissbrauch als Thema in den Schulprojektwochen
  4. Aufklärungsprogramme für Kinder und Jugendliche – Web und Mobilkommunikation
  5. Aufbau und Betreuung von Onlinegruppen
  6. Spezielle Programme für Zielgruppen wie z.B. Grundwehrdiener